Viertel vor acht: Frühstück. Sachen hatte ich bereits eingepackt. Nach dem Frühstück den Koffer geholt und das Zimmer auf hinterlassene Gegenstände geprüft. Die Taxen standen schon bereit. Ich merkte nicht einmal dass es unsere waren, weil ein mir unbekannter Student dabei stand, der, wie sich schnell herausstellte ein Kollege war, mit Brille und ohne Gel im Haar. In einem rasenden Tempo hatte er alles einpacken müssen und hatte weiter für nichts, aber auch für überhaupt nichts Zeit gehabt, weil er den Wecker nicht gehört hatte. Dieser Kollege – ich werde ihn einfach mal JW nennen – saß fünf Minuten später im Auto mit einer tiefroten Aura und verkündete total frustriert: „Ich bin SAU übel drauf!“, wobei er tatsächlich das deutsche Wort „sau“ benutzte! Die Deutschstunden haben sich gelohnt! Ein anderer Kollege, auch ein JW, versuchte ihn zu trösten: „Ich hatte gar keinen Wecker, aber ich wurde trotzdem um viertel nach acht wach“. Ich konnte fast hören wie JW1 dachte: na toll!
Am Hauptbahnhof angekommen hat unser netter Taxifahrer ein JW1-loses Foto von uns genommen, wir haben noch schnell einen Becher Kaffee/Tee geholt bei Starbucks und dann mit Fiffi, meinem Koffer, zum Gleis. Als aus dem Lautsprecher eine Durchsage kam, dass unser Zug auch „über Essen“ fahren würde, reagierte unser JW darauf mit einem: „überessen? Das habe ich auch ein paar Mal getan!“ dachte ich nur: „Yes! He`s back!“
Dann… eine ziemlich lange Fahrt; lesen, quatschen, schlafen, irritierende Kinder, die zum Glück dann ausstiegen, essen im Restaurant oder vom mitgenommenen Salat oder Butterbrot; die Zeit verging im Fluge und plötzlich steht man wieder am Emmericher Bahnhof umarmt sich und wünscht sich ein gutes Wochenende. Bis Montag, liebe Kollegen! Es war eine fantastische Woche!!!

Der letzte Tag. Am Vormittag shoppen, beziehungsweise Sprachkurs.
Heute zum ersten Mal schlechtes Wetter gehabt: Regen und Kälte. Regenschirm war angesagt! Zum letzten Mal einen Praktikumsbesuch gemacht bei einem 3D Printing Service. Auch dieser Betrieb möchte in Zukunft wieder niederländische Praktikanten ausbilden. Eine Führung durch den Betrieb gehabt und auch einen Blick ins Labor geworfen, wo wir sehen konnten wie ein Apparat gerade einen Gegenstand kopierte. Ich hatte so etwas noch nie gesehen, super toll!
So, den zweiten Punkt meiner Wunschliste auch schon durchgestrichen. Und das schon in den frühen Morgenstunden! Auf dem Weg zu unserem ersten Praktikumsbesuch bin ich durch das Brandenburger Tor gegangen!
Eigentlich hatte ich keine Ahnung mehr, wie sie schmeckte: Berliner Weiße mit Schuss, aber ich muss zugeben es schmeckte einfach super! Angestoßen auf unsere Ankunft in Berlin nach einer langen, aber sehr geselligen Zugfahrt. Während der Reise: Ein wenig Vorbereitung auf die Praktikumsbesuche, quatschen, Karten spielen, lesen und Spiele auf dem Handy oder Tablet. Und ein Imbiss im kleinen Zugrestaurant (nennt man das so?). Beim Umstieg in Duisburg ein ärgerlicher Zwischenfall: Einer der Kollege konnte seine Börse mit Kreditkarten und dergleichen nicht wiederfinden, wahrscheinlich gestohlen. Beim Schaffner nachgefragt, aber der konnte nicht helfen. Man sollte als Erstes einmal die Rechnung blockieren. Gerade in dem Augenblick, als der Kollege das tun wollte, kam der Schaffner mit dem verlorenen Gegenstand. Er hatte es in einem Mülleimer gefunden. Alles war noch drin. Zum Glück!
Morgen reise ich nach Berlin. Ich war schon einmal dort, im Jahre 1982, auf Klassenfahrt. Damals war ich 18 Jahre alt. Es gibt nur wenige Bilder aus der Zeit, aber umso mehr Erinnerungen. Eigentlich nur Bruchstücke von Erinnerungen: eine geteilte Stadt in einem geteilten Land, eine Art Babuschka, es machte damals einen gewaltigen Eindruck auf mich. Die Reise mit dem Bus über die Transitstrecke durch einen Teil der DDR nach Berlin. Wir – eine Gruppe westdeutscher Mädels, die einander schon vorher verrückt machten, wie spannend und gruselig es wohl nicht sein würde. Und in der Tat: Wir waren vollkommen platt: Es war als wenn wir durch ein Deutschland der fünfziger Jahre reisten: alles sah so altmodisch aus und in der Gewissheit dass wir uns in einem kommunistischen Land befanden, war alles ein kleines bisschen „creepy“.
Und ich erinnere mich noch so gut an das Brandenburger Tor, weil ich es so schrecklich fand: so ein schönes Monument, nutzlos, außer dass es auf beklemmende Weise der Tragik des geteilten Deutschlands Nachdruck verlieh. Das werde ich nie vergessen! – Man konnte nicht durch, man konnte es nur von einem Abstand ansehen. Und es standen Soldaten davor. Ich dachte noch: nie, nie werden wir dort durchgehen können. Und ich hätte es so gerne getan!