Heimfahrt (D)

 

IMG-20160416-WA0010 (3)Viertel vor acht: Frühstück. Sachen hatte ich bereits eingepackt. Nach dem Frühstück den Koffer geholt und das Zimmer auf hinterlassene Gegenstände geprüft. Die Taxen standen schon bereit. Ich merkte nicht einmal dass es unsere waren, weil ein mir unbekannter Student dabei stand, der, wie sich schnell herausstellte ein Kollege war, mit Brille und ohne Gel im Haar. In einem rasenden Tempo hatte er alles einpacken müssen und hatte weiter für nichts, aber auch für überhaupt nichts Zeit gehabt, weil er den Wecker nicht gehört hatte. Dieser Kollege – ich werde ihn einfach mal JW nennen – saß fünf Minuten später im Auto mit einer tiefroten Aura und verkündete total frustriert: „Ich bin SAU übel drauf!“, wobei er tatsächlich das deutsche Wort „sau“ benutzte! Die Deutschstunden haben sich gelohnt! Ein anderer Kollege, auch ein JW, versuchte ihn zu trösten: „Ich hatte gar keinen Wecker, aber ich wurde trotzdem um viertel nach acht wach“. Ich konnte fast hören wie JW1 dachte: na toll!

Am Hauptbahnhof angekommen hat unser netter Taxifahrer ein JW1-loses Foto von uns genommen, wir haben noch schnell einen Becher Kaffee/Tee geholt bei Starbucks und dann mit Fiffi, meinem Koffer, zum Gleis. Als aus dem Lautsprecher eine Durchsage kam, dass unser Zug auch „über Essen“ fahren würde, reagierte unser JW darauf mit einem: „überessen? Das habe ich auch ein paar Mal getan!“ dachte ich nur: „Yes! He`s back!“
Dann… eine ziemlich lange Fahrt; lesen, quatschen, schlafen, irritierende Kinder, die zum Glück dann ausstiegen, essen im Restaurant oder vom mitgenommenen Salat oder Butterbrot; die Zeit verging im Fluge und plötzlich steht man wieder am Emmericher Bahnhof umarmt sich und wünscht sich ein gutes Wochenende. Bis Montag, liebe Kollegen! Es war eine fantastische Woche!!!
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Regnerischer Mauerbesuch und komische Bierdeckel (D)

photogrid_1460799984199.jpgDer letzte Tag. Am Vormittag shoppen, beziehungsweise Sprachkurs.
Die Wettervoraussichten versprachen leider nichts Gutes, darum entschlossen wir uns die Radtour entlang der Mauer abzusagen. Super schade! Während des Mittagessens in einem Hamburgerladen überlegten wir wie wir denn jetzt den Nachmittag verbringen wollten. Wenn nicht mit dem Fahrrad, dann doch wenigstens zu Fuß der Mauer einen Besuch abstatten. Mit der S-Bahn zur Eastside Gallery, wo noch ein Stück der Mauer steht. Dieser Mauerrest war durch unterschiedliche Künstler bemalt worden. Inzwischen hatte es zu regnen angefangen, daher wurde daraus eine Wanderung mit Regenschirm.
Wir teilten uns dann wieder in unterschiedliche Gruppen, ein Teil ging zur Gedächtniskirche, der andere zu Starbucks.
Schließlich dann noch alle einzeln auf Patt gegangen. Während die jüngeren Herren sich zu Tode ärgerten über bikini berlin, wie sich später herausstellte, als wir uns darüber unterhielten („so’n Hals!“), fand ich es total super war aber gleichzeitig froh, dass ich nicht mehr Zeit hatte, denn dann wäre ich garantiert pleite nach Hause gegangen. Eindeutig eine Generations- und Geschlechtskluft!
Zu Abend haben wir mit der ganzen Rasselbande in der „Weissbierstube“ gegessen, eine ur-berlinerische Gaststätte. Klasse!
Als es dunkel wurde noch im Fernsehturm „Alexa“ gewesen, von woraus wir eine super schöne Aussicht hatten über das hellerleuchtete Berlin.

Allem Anschein nach ist das „junge Gemüse“ noch in eine oktoberfestartigen Kneipe gegangen mit viel Humptata und Bier in Ein-Liter-Gläsern, während die Anderen bei „Entweder oder“ noch Berliner Weiße mit oder ohne Schuss getrunken und die Geschichte des Namens unserer kleinen Kneipe recherchiert haben: In DDR-Zeiten war dieses Haus ein Ort, an dem politische Zusammenkünfte von Gegnern des bestehenden Regimes stattfanden. Ihr Credo war: „Entweder ihr ändert etwas oder..“. Nun, dieses „oder“ ist Realität geworden und der ganze Aufstand fand seinen Ursprung in eben dieser Gegend, in der sich unser Institut befindet.
Noch eine witzige Bemerkung von „Kale“ (der Eingeweihte weiß, wen ich meine), als er einen der tschechischen Bierdeckel zu lesen versuchte: „Ich dachte schon, ich verstehe nichts, aber es ist auch so“.
Ach ja, das passiert uns allen manchmal und ganz besonders nach so einer anstrengenden, aber umso schöneren Woche!
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Entweder oder (D)

photogrid_1460714595744.jpgHeute zum ersten Mal schlechtes Wetter gehabt: Regen und Kälte. Regenschirm war angesagt! Zum letzten Mal einen Praktikumsbesuch gemacht bei einem 3D Printing Service. Auch dieser Betrieb möchte in  Zukunft wieder niederländische Praktikanten ausbilden. Eine Führung durch den Betrieb gehabt und auch einen Blick ins Labor geworfen, wo wir sehen konnten wie ein Apparat gerade einen Gegenstand kopierte. Ich hatte so etwas noch nie gesehen, super toll!
Nach dem Lunch, in einem Restaurant mit dem Namen „Bleibtreu“,  haben wir den Rest der Gruppe getroffen beim KaDeWe. Die Kollegen hatten wieder ihren Sprachkurs gehabt. Drei von ihnen gingen anschließend noch in das Berufskolleg um dort an ein paar Unterrichtsstunden teilzunehmen. Na ja, Hauptsache man wird nicht süchtig!
Nach einem Besuch an das KaDeWe haben wir noch eine Sightseeingtour mit dem Bus gemacht und abends mit den deutschen Kollegen herrlich in Kreuzberg zu Abend gegessen und unsere freundschaftliche Beziehung intensiviert.
Wir haben uns auch von unserem treuen deutschen Begleiter und Kollegen verabschiedet, der bei nahezu allem – von den Betriebsbesuchen und Gesprächen bis hin zu den Essen und Trips durch die Stadt – unser fester Begleiter und Führer und eine unerschöpfliche Informationsquelle über die Geschichte und Kultur von Berlin war.
Den Abend haben wir in zwei Gruppen verbracht. Unsere Gruppe ging wieder in unsere Stammkneipe „entweder oder“, wo wir beim Genuss eines Getränkes, über dessen Größe wir uns jedes Mal wieder erstaunen, den Tag Revue passieren ließen.

In der Kürze liegt die Würze (D)

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“Erst die Arbeit, dann das Vergnügen” ist ein gutes Motto, durch das ich mich gerne leiten lasse, aber mal ganz ehrlich: wenn man viel zu früh ist, die Sonne scheint und es tut sich ein nettes Restaurant vor, dann liegt es doch vor der Hand, dort eine Tasse Kaffe/Tee zu trinken und die Morgensonne zu genießen?

Heute auf unserem Terminkalender: zwei Praktikumsbesuche. Das erste Gespräch fand in Kreuzberg statt, anschließend ein guter Mittagtisch auf der Terrasse eines russischen Restaurants und danach noch ein Praktikumsgespräch. Bei beiden Firmen haben wir Vereinbarungen getroffen. Außerdem den haben wir den Ausbau der Praktikumsstellen besprochen und vorläufige Absprachen über das Anwerben von neuen Praktikumsbetrieben in Berlin getroffen. Unter der Führung unseres deutschen Kollegen den „Französischen Turm“ bestiegen und  eine fantastischen Aussicht über Berlin genossen.
Inzwischen besuchten die Studenten unter uns wieder ihre Sprachkurse, die von einem ausgezeichneten Niveau waren, wie man von den Kollegen hörte. Danach haben wir uns wieder mit den deutschen Kollegen getroffen und uns über eine weitere Ausarbeitung des internationalen Projekts beraten.
Der Höhepunkt des Tages war der Besuch an Checkpoint Charlie und eine Führung durch das Museum, bei der die unterschiedlichen Fluchtversuche erörtert wurden. Der Führer machte auf ziemlich irritierende Art und Weise immer wieder deutlich, dass der Großteil unserer Gruppe wegen ihrer übermäßigen Körpergröße VÖLLIG!!! unfähig gewesen wären an diesen Fluchtversuchen teilzuhaben. Ich wurde buchstäblich jedes Mal wieder nach vorne geschoben als das Schulvorbild für den perfekten Flüchtling, was ich in derselben Nacht noch unter Beweis stellen würde, indem ich mich gezwungenermaßen längs in ein Taxi legte, weil die Herren Kollegen unbedingt zu fünft in ein Taxi wollten und unser ghanesische Taxifahrer Angst vor einer polizeilichen Verfolgung hatte.

Aber immer alles der Reihe nach:

Nach Checkpoint Charlie haben wir mit der ganzen Gruppe noch etwas gegessen beim Spanier. Drei der Praktikanten schlossen sich bei uns an und wir haben noch ein bisschen gequatscht über ihre Erfahrungen in Sachen internationales Praktikum.

Danach noch mit ein paar Leuten unserer Gruppe etwas getrunken, im Anschluss dessen sich obengenannter Vorfall ereignete.
Fazit des Tages: In der Kürze liegt die Würze!

Brandenburger Tor (D)

photogrid_1460440697022.jpgSo, den zweiten Punkt meiner Wunschliste auch schon durchgestrichen. Und das schon in den frühen Morgenstunden! Auf dem Weg zu unserem ersten Praktikumsbesuch bin ich durch das Brandenburger Tor gegangen!
Das war ein ganz besonderes Gefühl! Erst mit der S-Bahn bis zum Brandenburger Tor gefahren und dann hindurchgelaufen, danach ein herrlicher Spaziergang mit meinem Deutschkollegen in Richtung der Firma, an der einer unserer Schüler ein Praktikum macht. Wir sollten uns mit unserem Berliner Kollegen dort treffen zwecks eines Gesprächs mit jenem Schüler und seinem Praktikumsbegleiter. Es freute uns sehr zu hören, dass man sehr zufrieden mit ihm war und dass auch ihm das Praktikum sehr gefallen hatte. Wir haben außerdem mit dem Firmeninhaber Vereinbarungen treffen können bezüglich einer Fortsetzung bzw. eines Ausbaus unserer Beziehungen.  Die Firma ist sehr wohl geneigt in Zukunft sogar mehrere Praktikanten aufzunehmen, eventuell sogar mit Perspektive auf eine Festanstellung.
Nach diesem erfolgreichen Termin fuhr unser deutsche Kollege uns in das Institut zurück, wo unsere anderen Kollegen noch in den Sprachkursen waren. Ui! Jetzt wurde es zeitlich knapp! Unser Zeitplan ließ keinen Raum für ein Mittagessen, die meisten konnten sich lediglich schnell ein belegtes Brötchen reinziehen. Und weiter ging´s zum nächsten Programmpunkt: Betriebsbesuch bei bluewater, zusammen mit drei Berliner Kollegen. Bluewater ist eine Art Callcenter, eine schöner Betrieb, der auf großartige Weise seine Praktikanten ausbildet. Viel gelernt über die Unterschiede in den (Aus)bildungssystemen beider Länder.
Auf dem Rückweg mit der U-Bahn am Alexanderplatz ausgestiegen und zu Fuß ins Institut zurück.
In einem Restaurant in der Kulturbrauerei sehr gut gegessen und danach wieder (!) zum Brandenburger Tor. Jetzt „by night”. Danach am Reichstag und Holocaust Monument entlang, was im Dunkeln ein ganz besonderes Erlebnis war.
Das „junge Gemüse“ besuchte noch eine Kneipe in der Nähe, während die Übrigen wieder in Richtung Institut zogen, um in der dortigen Nähe in einer Kneipe mit dem witzigen Namen „entweder oder“ noch ein Bierchen/Caipirinha zu trinken und über die gute alte Zeit zu philosophieren. Ein recht angenehmer Abschluss eines schönen und erfolgreichen Tages. Ich freue mich schon auf morgen!

Berliner Weiße mit Schuss (D)

20160410_224234-1Eigentlich hatte ich keine Ahnung mehr, wie sie schmeckte: Berliner Weiße mit Schuss, aber ich muss zugeben es schmeckte einfach super! Angestoßen auf unsere Ankunft in Berlin nach einer langen, aber sehr geselligen Zugfahrt. Während der Reise: Ein wenig Vorbereitung auf die Praktikumsbesuche, quatschen, Karten spielen, lesen und Spiele auf dem Handy oder Tablet. Und ein Imbiss im kleinen Zugrestaurant (nennt man das so?). Beim Umstieg in Duisburg ein ärgerlicher Zwischenfall: Einer der Kollege konnte seine Börse mit Kreditkarten und dergleichen nicht wiederfinden, wahrscheinlich gestohlen. Beim Schaffner nachgefragt, aber der konnte nicht helfen. Man sollte als Erstes einmal die Rechnung blockieren. Gerade in dem Augenblick, als der Kollege das tun wollte, kam der Schaffner mit dem verlorenen Gegenstand. Er hatte es in einem Mülleimer gefunden. Alles war noch drin. Zum Glück!

Und jetzt also in Berlin. Was fiel mir auf an diesem ersten Abend? Ich denke vor allen Dingen der Geruch von Haschisch, den man regelmäßig riecht in den Straßen. Außerdem: Bettler, Leute, die einen auf der Straße um Geld bitten, etwas das ich eigentlich so nicht gewohnt bin.
Wir kamen im Dunkeln an, ich habe also noch nicht so viel von der Stadt sehen können. Aber eines ist sicher: Das Hotelzimmer ist super! Ein kleines Apartment ganz für mich alleine. Ich werde den Aufenthalt hier sehr genießen, auch wenn ich meine Familie vermissen werde!

Lang ist’s her (D)

SCAN0183Morgen reise ich nach Berlin. Ich war schon einmal dort, im Jahre 1982, auf Klassenfahrt. Damals war ich 18 Jahre alt. Es gibt nur wenige Bilder aus der Zeit, aber umso mehr Erinnerungen. Eigentlich  nur Bruchstücke von Erinnerungen: eine geteilte Stadt in einem geteilten Land, eine Art Babuschka, es machte damals einen gewaltigen Eindruck auf mich. Die Reise mit dem Bus über die Transitstrecke durch einen Teil der DDR nach Berlin. Wir – eine Gruppe westdeutscher Mädels, die einander schon vorher verrückt machten, wie spannend und gruselig es wohl  nicht sein würde. Und in der Tat: Wir waren vollkommen platt: Es war als wenn wir durch ein Deutschland der fünfziger Jahre reisten: alles sah so altmodisch aus und in der Gewissheit dass wir uns in einem kommunistischen Land befanden, war alles ein kleines bisschen „creepy“.

Von Berlin selbst weiß ich noch: Charlottenburg, Kudamm, KaDeWe, Berliner Weiße mit Schuss, eine Vorstellung von Evita im Theater des Westens, welche einen langwährenden Eindruck hinterlassen hat. Ein Besuch an Ost-Berlin. Laufend durch die Grenzstation, wo man sein Geld für Ostmark wechseln musste. Eine Mitschülerin die rief: “Das sieht ja aus wie Spielzeuggeld!“  – unmögliche Bemerkung! Stocksteif blieben wir stehen in der festen Überzeugung  dass wir mindestens erschossen werden würden.
Zum Glück nur ein tödlicher Blick des DDR-Soldaten. Das Mädchen mit der scharfen Zunge kriegte einen über den Deckel von uns!

In Ost-Berlin gibt es in meiner Erinnerung keine Farben. Alles grau und deprimierend, kein Ort, an dem man lange verweilen will. Vieles zerstört: kaputte Straßen, verkümmerte Gebäude. Und die Trabbies natürlich, die prehistorischen Autos, die hier so ein großer Luxus waren. Ich erinnere mich auch daran dass wir in ein Restaurant kamen oder so, jedenfalls ging ich irgendwo auf’s Klo und zwar wie es sich gehört an der Damenseite, aber ich kam an der Herrenseite wieder heraus – häh? Zwei unterschiedliche Eingänge, dieselben Toiletten. Fassade.

Ich glaube, wir waren ziemlich hochnäsig, oh ja, wir fühlten uns so modern!
Gleichzeitig aber auch schuldig über diesen Hochmut, außerdem: ohnmächtig und traurig und unwissend. Unwissend über das Leben das hier geführt wurde.

brandenburger torUnd ich erinnere mich noch so gut an das Brandenburger Tor, weil ich es so schrecklich fand: so ein schönes Monument, nutzlos, außer dass es auf beklemmende Weise der Tragik des geteilten Deutschlands Nachdruck verlieh. Das werde ich nie vergessen! – Man konnte nicht durch, man konnte es nur von einem Abstand ansehen. Und es standen Soldaten davor. Ich dachte noch: nie, nie werden wir dort durchgehen können. Und ich hätte es so gerne getan!
Aber nächste Woche wird dieser Wunsch Wirklichkeit!
Ich freue mich so darauf!